Der Ausbau ist Bestandteil der Medizinstrategie 2030 des Klinikums Region Hannover (KRH). Sie sieht vor, die medizinische Versorgung stärker an ausgewählten Standorten zu bündeln und spezialisierte Angebote auszubauen. Großburgwedel soll dabei künftig eine herausgehobene Rolle für die stationäre Versorgung im Osten der Region Hannover übernehmen. Statt bis zur Fertigstellung des geplanten Klinikneubaus zu warten, investiert das KRH bereits jetzt in die vorhandenen Strukturen.
Eine besonders wichtige Neuerung ist das Herzkatheterlabor der Klinik für Kardiologie unter Leitung von Chefarzt Dr. Thomas Gerding. Damit können Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen direkt in Großburgwedel untersucht und behandelt werden. Das ist vor allem bei akuten Herzinfarkten von Bedeutung, denn hier zählt jede Minute.
Das neue Herzkatheterlabor ist inzwischen werktags von 8 bis 15 Uhr an das digitale Krankenhaus-Zuweisungssystem Ivena angeschlossen und beteiligt sich damit an der akuten Herzinfarktversorgung. Für 2027 ist vorgesehen, dieses Angebot auf einen durchgehenden Betrieb rund um die Uhr auszuweiten.
Bei einer Herzkatheteruntersuchung können mögliche Engstellen der Herzkranzgefäße erkannt und gegebenenfalls unmittelbar behandelt werden. Für Betroffene aus Burgwedel und den umliegenden Kommunen können sich dadurch die Wege zur spezialisierten Versorgung und die Zeit bis zu einem notwendigen Eingriff verkürzen. Auch Patienten mit länger bestehenden Herzbeschwerden können nach ärztlicher Einweisung untersucht werden. Für das Herzkatheterlabor wurde im bestehenden Klinikgebäude eine Raumgruppe mit rund 160 Quadratmetern Bruttofläche geschaffen.
Eine weitere Verbesserung betrifft die bildgebende Diagnostik. Mit einem neuen Magnetresonanztomografen verfügt das Klinikum über zusätzliche Möglichkeiten, Erkrankungen und Verletzungen präzise zu untersuchen. Das Gerät deckt nahezu das gesamte Spektrum der MRT-Diagnostik ab.
Dabei profitiert das Klinikum von der standortübergreifenden Zusammenarbeit innerhalb des KRH-Verbundes. „Der Standort arbeitet eng mit den anderen KRH-Kliniken zusammen und gewährleistet durch die Vernetzung einen radiologischen 24-Stunden-Service auf Facharztniveau“, erklärt der geschäftsführende Oberarzt Dr. Manuel Lehm.
Das MRT befindet sich in einem vorgefertigten Raummodul, das einschließlich der erforderlichen Medizintechnik angeliefert wurde. Für das Projekt wurden rund drei Millionen Euro Fördermittel bereitgestellt.
Der dritte große Baustein des Ausbaus ist die neue Klinik für Geriatrie. Nach einer Bauzeit von lediglich acht Monaten hat die zuvor in Lehrte angesiedelte Altersmedizin ihre neuen Räume in Großburgwedel bezogen. Auf einer Fläche von etwa 1000 Quadratmetern stehen 38 Betten für geriatrische Patienten zur Verfügung. Die hellen und modern gestalteten Räumlichkeiten sind speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtet.
Der Erweiterungsbau ist unmittelbar mit dem bestehenden Klinikum verbunden. Das ermöglicht kurze Wege zu Diagnostik, Therapie und weiteren Fachabteilungen. Gerade ältere Patienten, die häufig an mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden, profitieren von der engen Zusammenarbeit unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen.
Die Geriatrie ist nun Teil des neu entstandenen Zentrums für Innere Medizin, zu dem außerdem die Kliniken für Kardiologie und Gastroenterologie gehören. Hinzu kommt die ebenfalls aus Lehrte nach Großburgwedel verlagerte Klinik für Spezielle Schmerztherapie. Mit der Zusammenführung dieser Angebote sollen Untersuchungen und Behandlungen besser aufeinander abgestimmt werden.
Möglich wurde die kurze Bauzeit des Geriatriegebäudes durch die modulare Bauweise. Zwölf jeweils vier Meter breite und 18 Meter lange Raummodule wurden weitgehend industriell vorgefertigt und anschließend auf dem Klinikgelände zusammengesetzt.
„Wir zeigen mit diesem Projekt, dass Modulbau im Krankenhaus heute weit mehr bedeutet als eine kurzfristige Übergangslösung“, erklärt KRH-Geschäftsführerin Barbara Schulte. Bis zur Errichtung des vollständigen Klinikneubaus sei diese Bauweise die effizienteste Möglichkeit, bereits heute moderne Versorgungsstrukturen zu schaffen.
Der Ausbau steht zugleich im Zusammenhang mit der bundesweiten Krankenhausreform, die verstärkt auf eine Konzentration medizinischer Leistungen und eine engere Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachdisziplinen setzt.
„Der Ausbau schafft die Voraussetzung dafür, dass künftig in allen Fachgebieten noch komplexere Krankheitsbilder in Großburgwedel behandelt werden können“, sagt KRH-Geschäftsführer Medizin Dr. Matthias Bracht. Entsprechend der Medizinstrategie erhalte der Standort eine herausgehobene Versorgungsrolle und entwickle sich wie geplant zum Schwerpunktversorger.
Von den Veränderungen verspricht sich das KRH auch Vorteile für die Beschäftigten. Die neuen medizinischen Möglichkeiten und modernen Räumlichkeiten sollen den Standort als Arbeitgeber attraktiver machen. KRH-Geschäftsführerin Personal Dr. Georgia Borttscheller dankt den Mitarbeitenden, die während der Bauphase Belastungen durch Lärm und räumliche Zwischenlösungen hinnehmen mussten.
„Mit diesen Investitionen stärken wir die diagnostischen Möglichkeiten vor Ort deutlich und verbessern die Versorgung für Patientinnen und Patienten spürbar“, betont der geschäftsführende kaufmännische und ärztliche Direktor PD Dr. Tim Kaufeld.
Mit den abgeschlossenen Bauprojekten sind mehrere zentrale Elemente der medizinischen Neuausrichtung bereits umgesetzt. Für die Menschen in Burgwedel und den umliegenden Kommunen soll dadurch künftig ein breiteres Spektrum spezialisierter medizinischer Leistungen wohnortnah zur Verfügung stehen.