Dabei gibt es in dem Feinkostgeschäft längst nicht nur Schinken. Doch die Ursprünge des heutigen Feinkostladens liegen in einem ganz anderen Bereich, wie Moß Basingo erzählt: Los ging es mit Eiern. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen denkt die heute 57-Jährige an die Zeit Mitte der Siebzigerjahre zurück. „Da bin ich als kleines Grundschulmädchen mit einer Glocke in der Hand bimmelnd über den Campingplatz am Springhorstsee gelaufen. Das war mir schon ein wenig peinlich.“
Mutter Ursula folgte ihrer Tochter mit dem Auto – und mit vielen Eiern im Kofferraum. Die konnten die Gäste des Platzes dann bei ihr kaufen. „Der Eierverkauf war der Ursprung unseres heutigen Delikatessengeschäfts“, sagt Moß Basingo. Bis zu 1000 Hühner produzierten damals die bei den Großburgwedelern begehrten Eier. Daneben kümmerte sich Vater Friedhelm noch um den übrigen landwirtschaftlichen Betrieb der Familie.
Einen Laden im klassischen Sinne gab es damals nicht. Wer die Eier nicht am Springhorstsee kaufte, konnte sie auf dem Hof an der Dammstraße abholen, auf dem Markt am Domfrontplatz erwerben oder sie sich von Familie Moß nach Hause liefern lassen. Doch mit der Zeit wuchs die Angebotspalette. Moß bot auch frisches Geflügel und Salate an.
Das Geschäft mit den Eiern war für Moß Basingo jedoch prägend. „Ich kann heute noch Eier perfekt in Zeitungspapier einpacken“, verrät sie lachend. „Schließlich gab es damals noch keine Eierpappen.“ Und so funktioniert das: „Fünf Eier werden in einer Reihe an die schmale Unterseite eines Zeitungsbogens gelegt und dann langsam eingerollt. Seitlich überstehendes Papier wird eingeknickt und in die Rolle eingearbeitet. Am Ende hat man ein sicher eingepacktes Paket. Möchte der Kunde zehn Eier, macht man zwei Rollen und wickelt diese noch mal in einen Zeitungsbogen ein. Fertig.“
Im November 1984 war es dann so weit: Die Familie eröffnete ihr erstes Geschäft direkt neben der St.-Petri-Kirche. Mit dem neuen Laden wuchs das Angebot weiter. Unter anderem kamen frischer Fisch, Käse, Schinken und Weine hinzu.
Schnell wurde aber klar, dass die Räume an der Straße Im Mitteldorf 7 auf Dauer nicht reichen würden. Eine große Küche für die hausgemachten Produkte fehlte. Dazu waren die Lagermöglichkeiten arg beschränkt, und „wir hatten keine Parkplätze“, erinnert sich Moß Basingo. „Es war einfach alles zu klein.“ Ein neuer Laden musste also her.
Doch die Suche nach einem passenden Mietobjekt in Großburgwedel brachte keinen Erfolg. Daraufhin reifte in der Familie langsam der Entschluss, mit dem Feinkostladen auf die eigene Hofstelle an der Dammstraße umzuziehen. Dafür wurde die bis dahin dort betriebene Viehzucht aufgegeben.
Baumaschinen rückten an und errichteten einen Neubau für das Ladengeschäft. Im Mai 1990 war dieses fertig. Delikatessen Moss zog in ihre bis heute genutzten Geschäftsräume um. Zwar gab es in der Folge keinen Umzug mehr, doch der Laden änderte sich im Laufe der Zeit. „Anfangs hatten wir eine Art kleinen Supermarkt für Delikatessen mit Laufbändern an den beiden Kassen“, erinnert sich Moß Basingo.
Diese Bänder sind längst Geschichte und abgebaut. Dafür stehen nun Tische und Stühle in dem Geschäft. Kunden können dort die Leckereien auch gleich vor Ort genießen.
Doch zurück zum Parmaschinken. Damit dieser bei Moss in Großburgwedel auf eine traditionelle und besonders schonende Weise geschnitten werden kann, steht eine spezielle Schwungradmaschine auf der Aufschnitttheke. Diese arbeitet rein mechanisch, kommt also ohne Strom aus.
„Die Maschine haben wir von dem Consorzio del Prosciutto di Parma vor einigen Jahren erhalten – für die damals beste Bewerbung als Parmaschinken-Spezialisten des Jahres“, sagt Moß Basingo stolz, die Parmaschinken übrigens auch selbst sehr gern isst.