Auf Burgwedel rollt in den nächsten Jahren einiges zu
Grünes Licht für die Bahnneubaustrecke Hannover-Hamburg: Was bedeutet das für Burgwedel und Umgebung?

Größtes Feuchtwiesengebiet in der Region Hannover: Die Bahnlinie Hannover-Celle durchschneidet den Hastbruch.Foto: Frank Walter
Burgwedel (. jba). Jahrelang hatten sich Kommunalpolitiker und Bürgerinitiativen gegen eine neue Bahntrasse durch Burgwedel und Isernhagen zur Wehr gesetzt. Sie befürchteten vor allem mehr Güterverkehr und damit Lärm sowie Eingriffe in die Natur. Nun hat sich der Bundestag für den Bau einer neuen Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg ausgesprochen. Sie soll weitgehend entlang der Autobahn 7 und der Bundesstraße 3 verlaufen, doch nicht ausschließlich. Was bedeutet der Beschluss für Burgwedel?

Die rund 109 Kilometer lange Neubaustrecke soll den Fern- und Güterverkehr aufnehmen und die bestehende Verbindung entlasten. Die Fahrzeit zwischen Hannover und Hamburg könnte sich dadurch um rund 18 Minuten verkürzen. Für Burgwedel ist speziell der südliche Abschnitt wichtig, denn die neue Trasse soll westlich an Celle vorbei führen und zwischen Celle und Großburgwedel an die bestehende Bahnstrecke anschließen. Burgwedel bleibt damit nicht gänzlich von dem Großprojekt unberührt.

Für Burgwedel ist vor allem der Anschluss der neuen Trasse an die bestehende Strecke von Bedeutung. Welche baulichen Veränderungen dort notwendig werden, steht allerdings bisher nicht fest. Neben dem Neubau sind auch Verbesserungen an der bestehenden Bahnverbindung vorgesehen. Insgesamt sind fünf sogenannte Überleitstellen geplant, darunter eine in Burgwedel. Diese Querverbindungen sollen es Zügen ermöglichen, bei Baustellen oder anderen Störungen zwischen den Gleisen zu wechseln. Dadurch will die Bahn Verspätungen und Zugausfälle reduzieren.

Die genaue Lage und die Ausgestaltung der geplanten Überleitstelle im Burgwedeler Stadtgebiet sind noch offen. Belastbare Aussagen dazu, welche Ortsteile, Straßen oder Grundstücke betroffen sein werden, seien erst mit detaillierten Planungsunterlagen möglich, teilte die Stadt auf Anfrage mit. In einem früheren Positionspapier hatte Burgwedel für alle damals untersuchten Trassenvarianten auf das Risiko des zusätzlichen Güterverkehrs im Stadtgebiet hingewiesen. Ob künftig tatsächlich mehr Güterzüge durch Burgwedel rollen werden und welche Lärmbelastung damit verbunden ist, müsse anhand aktueller Verkehrsprognosen noch geklärt werden.

Die Stadt weist jedoch darauf hin, dass auch die Ertüchtigung der Bestandstrasse durch Burgwedel, Isernhagen und Langenhagen erhebliche Auswirkungen haben könnte. Mit dem Beschluss des Bundestages sollen auch 250 Millionen Euro in umfangreiche Arbeiten an der vorhandenen Strecke fließen. Geplant sind unter anderem zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen, aber auch technische Verbesserungen, die mehr Züge ermöglichen und den Verkehr auf der seit Jahren überlasteten Strecke zuverlässiger machen sollen. Laut dem beschlossenen Antrag sollen diese Arbeiten bis spätestens 2034 abgeschlossen sein.

In der Vergangenheit hatte die mögliche Streckenführung durch Burgwedel und Isernhagen für erhebliche Diskussionen gesorgt. Die sogenannte weinrote Variante sah eine neue Trasse vor, die von der bestehenden Bahnstrecke abzweigen und an Isernhagen F.B. und Neuwarmbüchen vorbei zur Bahnstrecke nördlich von Burgdorf führen sollte. Diese Variante hätte erhebliche Auswirkungen beispielsweise auf den wertvollen Landschaftsraum Hastbruch im Nordosten Burgwedels gehabt.

Die Stadt ließ für die damaligen Planungen die möglichen Auswirkungen untersuchen. Die fachliche Bewertung benannte erhebliche Konflikte mit dem Natur- und Landschaftsschutz. Dazu zählten eine mögliche Zerschneidung von Feuchtgrünland, Beeinträchtigungen von Lebensräumen für Wiesenvögel und des Biotopverbunds sowie Eingriffe in kohlenstoffreiche Moorböden.

Gegen die weinrote Trasse hatte sich auch die Bürgerinitiative Raumwiderstand eingesetzt. Die Mitglieder erstellten ein umfangreiches Positionspapier und erfassten seltene Tier- und Pflanzenarten im betroffenen Planungsgebiet.

Thomas Staubach vom Arbeitskreis Raumwiderstand und Straßenlärm beschreibt die Reaktion auf die Bundestagsentscheidung als „verhalten zufrieden“. Einerseits sei man erleichtert, weil die ursprünglich befürchtete Streckenführung durch Burgwedel und Isernhagen vom Tisch ist. Andererseits hätte die Initiative den Ausbau der bestehenden Strecke gegenüber einer Neubautrasse bevorzugt.

Die grundsätzlichen Fragen zum Lärmschutz und zum möglichen zusätzlichen Zugverkehr bleiben damit vorerst unbeantwortet. So hatte auch die Stadt Burgwedel in ihrem Positionspapier deutlich gemacht, dass Belastungen für betroffene Kommunen möglichst vermieden beziehungsweise minimiert und ausgeglichen werden müssten.

Mit dem Bundestagsbeschluss ist die grundsätzliche politische Entscheidung gefallen. Die konkrete Planung steht jedoch noch bevor. Im weiteren Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen die Details der Streckenführung, der Einbindung in das bestehende Netz und des Lärmschutzes ausgearbeitet werden. Wie umfangreich die Vorarbeiten noch sein werden, lässt der Zeitplan erahnen: Die neue Bahntrasse kann wohl nicht vor 2050 fertiggestellt werden.



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