„Können wir in diesem Jahr Halloween feiern?“ Mein erster Gedanke ist: Nein, wir feiern selbstverständlich den Reformationstag! Aber ich sehe ein, dass das für eine Siebenjährige nicht halb so attraktiv ist wie der Gruselspaß mit Verkleidungen, Kürbissen und Süßigkeiten.
Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger fremd kommt mir die Idee vor. Martin Luther ging es schließlich auch darum, den Menschen die Angst zu nehmen – die Angst um ihr Seelenheil, die Angst davor, vor Gott nicht bestehen zu können. Er wollte die Menschen von der Vorstellung befreien, sie müssten sich Gottes Liebe erst verdienen.
Die Message vom Reformationstag lautet: Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns annimmt – nicht, weil wir perfekt sind, sondern weil er gnädig ist. Und an Halloween geht es – zwischen Gespenstern, Hexen und gruseligen Masken – auch um die Frage, wovor wir uns fürchten und was uns Sicherheit gibt.
Vielleicht feiern wir in diesem Jahr einfach beides: Reformationstag und Halloween! Mit Kürbissen und Süßigkeiten, mit schaurigen Kostümen und Grusel an der Haustür. Und mit dem Gedanken daran, dass die Angst nicht das letzte Wort hat und dass Gottes Liebe größer ist als das, was uns erschreckt.
Henrik Heinicke,
Pastor der St.-Pankratius-
Kirchengemeinde Burgdorf