Gemeindepastorin wird verabschiedet
Gottesdienst mit Entpflichtung von Gesa Steingräber-Broder

Vor 14 Jahren: Der damalige Superintendent des Kirchenkreises Burgdorf, Ralph Charbonnier, vor dem Portal der Matthäuskirche vor der Einführung von Gesa Steingräber-Broder in ihr Amt.Foto: Katja Eggers (Archiv)
Lehrte (. r/tz). Nach 14 Jahren als Pastorin in Lehrte geht Gesa Steingräber-Broder in den Ruhestand. Ihre Verabschiedung ist am Sonntag, 1. November, um 15 Uhr in der Markuskirche, Am Distelborn 1. Im Gottesdienst in der Lehrter Markuskirche wird sie durch die stellvertretende Superintendentin Friederike Grote vom Dienst entpflichtet. Nach dem Gottesdienst gibt es einen kleinen Empfang mit Kulinaria. Außerdem werden verabredete Grußworte zu hören sein, und es besteht die Möglichkeit, sich persönlich von Pastorin Steingräber-Broder zu verabschieden.

Gesa Steingräber-Broder war rund zwölf Jahre Gemeindepastorin der Matthäus-Kirchengemeinde und ist seit Beginn 2024 in der neu entstandenen Gesamtkirchengemeinde Lehrte tätig. Lehrte war die zweite und letzte Pfarrstelle in ihrer Karriere. Davor war sie 22 Jahre lang Dorfpastorin im beschaulichen Hemminger Ortsteil Hiddestorf.

Es sei damals der Kontrast der kleinen Gemeinde zur ungleich größeren Matthäusgemeinde Lehrte gewesen, der ein Grund für den Wechsel war. „Ich wollte gern im Team arbeiten“, sagt Gesa Steingräber Broder rückblickend. In der Rückschau sei das eine gute Wahl gewesen: „Es war eine interessante Zusammenarbeit.“ Aber es sei auch „ein kleiner Kulturschock“ gewesen. „In Hiddestorf kannte ich jeden.“ Das sei in Lehrte mit damals 7000 Gläubigen anders gewesen. Erst recht, als Matthäus mit der Markusgemeinde zur Gesamtkirchengemeinde zusammengelegt wurde.

Das sei ohnehin ein bemerkenswerter Prozess, findet Steingräber-Broder. „Es ist interessant, was dabei rauskommt.“ Abgeschlossen sei das Zusammengehen noch nicht. „Das wächst immer noch zusammen.“

Über die Jahre hat sie natürlich auch die Lehrter Gesellschaft kennengelernt. Dabei schätzt sie die Toleranz, die in der Stadt herrsche. „Hier sprechen Christdemokraten ganz selbstverständlich mit Sozialdemokraten und Grünen.“ Und viele duzten sich dabei sogar. „Das kannte ich so nicht.“ Sie führt das darauf zurück, dass sich die Stadt aufgrund ihrer wechselvollen Geschichte immer wieder neu erfinden musste. „Dabei entsteht Toleranz.“

An ihrer Gemeinde hat sie die Kreativität schätzen gelernt. In der Corona-Zeit seien neue Formate entwickelt worden, um online präsent zu sein. Bei der Orgelkur, also der Renovierung der Matthäusorgel im Jahr 2016, habe es ein erfindungsreiches Fundraising gegeben. „Dafür haben wir von der Landeskirche sogar einen Preis bekommen.“ Die Zusammenarbeit sei toll gewesen. „Vor allem mit Kantorin Birgit Queißner.“

Aber auch Herausforderungen habe es durchaus gegeben. Besonders denkt sie da an die Corona-Pandemie, als plötzlich alles auf Distanz geschehen musste. Aber auch die immer steigenden Anforderungen, insbesondere für Ehrenamtliche, seien herausfordernd gewesen.

In Zukunft wird sie der Stadt aber den Rücken kehren. Die Pastorenwohnung in der Köthenwaldstraße hat sie bereits geräumt und ist mit ihrem Mann nach Hemmingen gezogen. „Dort wohnt unsere ältere Tochter mit unserem Enkelkind.“ Sie komme die nächsten Tage nur noch für den Dienst nach Lehrte.

Es sei für Pastorinnen und Pastoren ratsam, aus dem Dienstort wegzuziehen, erzählt sie. Auf diese Weise werde verhindert, dass aus alter Verbundenheit immer noch Menschen aus der Gemeinde anrufen. Sonst komme es vor, dass man gefragt wird, ob man nicht die Tante beerdigen könnte, weil man ja schon den Onkel beerdigt habe. Das sei gegenüber dem aktiven Pastorenteam ungerecht – und das will sie vermeiden. Auch wenn solche Bitten von Gemeindemitgliedern ein Ausdruck von Wertschätzung seien. Dass sie gelegentlich noch in Gemeinden aushelfe, schließt sie nicht aus. „Aber eben nicht in Lehrte.“

Wie der Ruhestand gestaltet wird, wisse sie noch nicht genau, sagt die zukünftige Pensionistin. Das lasse sie auf sich zukommen. „Es ist schön, einfach mal Zeit zu haben.“ Die Familie werde davon profitieren. Freunde zu besuchen, stehe ebenfalls auf dem Programm. „Aber ich habe den Ruhestand noch nicht durchgetaktet“, betont Steingräber-Broder. „Ich schaue mal.“

Wie es in der Gesamtkirchengemeinde mit dem Pfarrteam weitergeht, ist noch in der Schwebe. „Wir haben uns jetzt für Pastoren im Probedienst beworben“, erklärt Kirchenvorstandschef Wilhelm Busch. Das seien fertig studierte Theologinnen und Theologen, die Erfahrungen in den Gemeinden sammeln sollen. „Da gibt es aber mehr freie Stellen als Probedienstler.“ Es sei also nicht sicher, ob Lehrte jemanden bekomme.

Wenn nicht, müsste die Stelle neu ausgeschrieben werden. Statt einer ganzen werde es aber nur noch eine halbe Stelle sein, da die Zahl der Gläubigen stetig sinkt und die Gesamtkirchengemeinde Lehrte nur noch Anspruch auf zweieinhalb Stellen habe. Und ob es überhaupt noch zu einer Neubesetzung einer halben Stelle kommt, sei eher unsicher, da die Gesamtgemeinde voraussichtlich 2029 die Gläubigenzahl von 6000 unterschreite. „Dann haben wir nur noch Anspruch auf zwei Stellen“, bedauert der Vorsitzende des Kirchenvorstands.





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