Jochim lief das Rennen bemerkenswert konstant. Die erste Hälfte (Halbmarathon-Durchlauf) absolvierte er in 1:40:49 Stunden, die zweite Hälfte in 1:40:14 Stunden. Am Ende belegte er Platz 957 im Gesamtfeld von rund 14.000 Marathon-Startern und rangierte auf Platz 100 in seiner Altersklasse.
Am 18. Oktober startete Enie Jochim für den MTV Rethmar beim „Sparkasse zu Lübek Halbmarathon“. Sie verbesserte ihre persönliche Bestzeit auf sensationelle 1:39:52 Stunden. Damit sicherte sie sich nicht nur den ersten Platz in der Altersklasse WJU18 und Rang 30 unter 1.085 Frauen, sondern eroberte zugleich die niedersächsische Jahresbestleistung ihrer Altersklasse zurück. An ihrer Seite lief Vater Fabian Jochim, selbst erfahrener Halbmarathon- und Marathonläufer sowie Laufcoach der U14- bis U18-Schnelllaufgruppe des MTV Rethmar. Mit einer klug abgestimmten Renntaktik, gleichmäßigem Tempo und der Erfahrung eines langjährigen Läufers begleitete er seine Tochter zu diesem außergewöhnlichen Erfolg. „Unser Ziel war es, Enies persönliche Bestzeit auf unter 1:45 Stunden zu verbessern. Wir haben eine Strategie gewählt, um am Wendepunkt nach der Hälfte der Strecke dieses Ziel sicher erreichen zu können, aber auch, je nach Form, einen Angriff auf die diesjährige niedersächsische Bestzeit der NLV-Bestenliste in der Altersklasse U18 zu fahren“, erläuterte Fabian Jochim im Vorfeld des Rennens. Die bisherige Jahresbestleistung hatte Rubi Ostermann vom VfL Löningen im Sommer mit 1:40:31 Stunden aufgestellt. Um diese Marke zu unterbieten, war also ein Halbmarathon um die 1:40er Stunden-Marke erforderlich.Der Herrentunnel ist dabei das sportliche Highlight und zugleich eine besondere Herausforderung: Er reicht bis etwa 31 Meter unter den Meeresspiegel und weist eine deutliche Steigung auf. Die Läuferinnen und Läufer müssen diesen Abschnitt zweimal bewältigen - auf dem Hinweg und erneut auf dem Rückweg. Musik und eine Lichtinszenierung sorgten im Tunnel für eine besondere Atmosphäre und zusätzliche Motivation.
Auch das Streckenprofil verlangte eine durchdachte Renneinteilung. Nach den Belastungen auf dem Hinweg warteten auf dem Rückweg erneut der Tunnel und schließlich der leichte Anstieg hinauf in die Lübecker Innenstadt. Gerade auf den letzten Kilometern waren deshalb gut eingeteilte Kräfte entscheidend.
Hinzu kamen die äußeren Bedingungen: Bei kühlen Temperaturen und leichtem Regen fiel um 10:30 Uhr der Startschuss für den Halbmarathon. Gegenwind und die anspruchsvollen Streckenabschnitte machten das Rennen zusätzlich fordernd. Um das angestrebte Ergebnis nicht durch einen zu schnellen Start zu gefährden, entschieden sich Enie und Fabian für einen sogenannten „negativen Split“. Dabei wird die erste Hälfte eines Rennens etwas langsamer absolviert als die zweite. Diese Strategie soll verhindern, dass zu Beginn übermäßig viele Kräfte verbraucht werden, die auf den entscheidenden letzten Kilometern fehlen könnten. Gleichzeitig bietet sie einen psychologischen Vorteil: Wer sein Tempo kontrolliert steigert, kann in der zweiten Rennhälfte häufig zahlreiche Läuferinnen und Läufer überholen, die ihrem hohen Anfangstempo Tribut zollen müssen.
Fabian Jochim übernahm dabei die Rolle des persönlichen Pacemakers. Mit einer kontrollierten Laufgeschwindigkeit und motivierenden Hinweisen aus seiner langjährigen Wettkampferfahrung unterstützte er Enie über die gesamte Distanz. Besonders wichtig war es, sich am Start nicht von der großen Teilnehmergruppe zu einem überhasteten Anfangstempo verleiten zu lassen.
Die Rechnung ging auf. Beide liefen konzentriert gegen Wind und Regen, bewältigten den Herrentunnel auch auf dem Rückweg und steigerten ihr Tempo auf den entscheidenden Schlusskilometern. In der belebten Lübecker Fußgängerzone, begleitet von zahlreichen jubelnden Zuschauern, setzte Enie zum finalen Endspurt an. Nach 1:39:52 Stunden überquerte sie die Ziellinie und blieb damit sogar unter der magischen Marke von 1:40 Stunden. Nur zwei Sekunden später folgte Vater Fabian in 1:39:54 Stunden. Der nahezu zeitgleiche Zieleinlauf machte den gemeinsamen Erfolg perfekt.
Für Enie bedeutete das Ergebnis gleich mehrere herausragende Erfolge: Sie gewann die Altersklasse WJU18, belegte Platz 30 in der Frauenwertung unter insgesamt 1.085 Läuferinnen und verbesserte ihre persönliche Halbmarathon-Bestzeit um mehr als 14 Minuten. Gleichzeitig setzte sie sich mit ihrer Zeit wieder an die Spitze der niedersächsischen Jahresbestenliste 2026 in der Altersklasse WJU18. Bereits am 12. April hatte Enie beim Hannover-Halbmarathon mit 1:53:56 Stunden die damalige Bestmarke für sich beansprucht. In Lübeck steigerte sie ihre Leistung nun um beeindruckende 14 Minuten und vier Sekunden und holte sich die Spitzenposition zurück.