Seit fünf Jahren bilden sie eine Ratsgruppe. Die Zusammenarbeit verlief nach außen hin geräuschlos und störungsfrei. Bei der Kommunalwahl mussten sowohl SPD als auch CDU Sitzverluste hinnehmen. Sozialdemokrat Gahre hatte sich nach seiner Wiederwahl gewünscht, dass die Kooperation fortgesetzt wird. Sein Amt als Verwaltungschef gebietet allerdings eine neutrale Zusammenarbeit mit allen Fraktionen.
Nun haben die Fraktionschefs Ernstfried Langer (SPD) und Wulf Langeheine (CDU) mit ihren Unterschriften am 19. Oktober im Rathaus tatsächlich eine weitere Zusammenarbeit unter dem Motto „Gemeinsam für die Zukunft Uetzes“ besiegelt. In den nächsten fünf Jahren stehen immense Investitionen in Schulen, in die Feuerwehr, in Angebote für Familien und in die Infrastruktur an. „SPD und CDU werden auch in der neuen Wahlperiode gemeinsam Verantwortung für die Gemeinde Uetze übernehmen“, heißt es von den Fraktionschefs.
Zwar schickt die SPD mehr Vertreter in den Rat. Doch die CDU werde nicht als Juniorpartner gesehen, betont Langer. Mit ihrer bis 2031 gültigen Vereinbarung wollen die beiden Fraktionen die Grundlage für eine „verlässliche Weiterentwicklung der Gemeinde und ihrer neun Ortschaften“ schaffen. Die Themen lauten: Schule und Kita, Sicherheit, bezahlbarer Wohnraum, funktionierende Infrastruktur und lebendige Ortschaften.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Bildung. Das Schulzentrum Uetze soll zu einem modernen Bildungscampus entwickelt werden. Der Wunsch: Das Gymnasium und die Gesamtschule sollen noch enger zusammenarbeiten. Auch die Möglichkeit eines gemeinsamen Oberstufenzentrums wird geprüft. Zugleich sollen die Betreuungsangebote für Familien verbessert werden. Insbesondere in Dedenhausen und Dollbergen sind dafür zusätzliche Kita-Plätze vorgesehen. Außerdem sollen die Investitionen in Spiel- und Jugendplätze fortgesetzt werden.
Nach dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Eltze sollen weitere in Obershagen, Altmerdingsen, Schwüblingsen und Dedenhausen entstehen – stets im gleichen Standard. Der Modulbau kann für die anderen Dörfer kopiert werden, was Zeit und Geld spart. Der kommunale Ordnungsdienst, der für Sicherheit sorgt, soll mit mehr Personal verstärkt werden, damit die Beschäftigten auch abends und an den Wochenenden häufiger Präsenz zeigen können. Zu diesem Themenblock gehört auch eine bessere Anbindung zwischen den Dörfern und den Bahnhöfen, unter anderem durch einen Ausbau des Sprinti-Angebots, das in Uetze bereits jetzt gut angenommen wird.
Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wollen SPD und CDU neue Wohngebiete ermöglichen, aber auch die Entwicklung von Wohnungen im Bestand verstärken. Die örtliche Wirtschaft soll durch stärkeres Standortmarketing und die Entwicklung zusätzlicher Gewerbeflächen unterstützt werden. Damit sollen Arbeitsplätze gesichert, neue Unternehmen gewonnen und langfristig die Einnahmen der Gemeinde gestärkt werden.
Beim Ausbau erneuerbarer Energien soll der bisher eingeschlagene Weg fortgesetzt werden. Ziel ist es, dass die gesamte Gemeinde unmittelbar von der Energiewende profitiert. Ein besonderes Augenmerk gilt weiterhin dem Ehrenamt. Vereine, Feuerwehren, Sport- und Kulturangebote sowie die genossenschaftlichen Freibäder sollen auch künftig verlässliche Unterstützung erhalten.
Der neue Rat kommt zur konstituierenden Sitzung am Donnerstag, 5. November, um 18 Uhr in der Aula des Schulzentrums, Marktstraße 6, zusammen. Dabei betritt das Gremium nach den Worten Langers „Neuland“. Damit meint er die fünf Vertreter, die die AfD in den Rat entsendet. Die Partei war aus dem Stand heraus drittstärkste Fraktion geworden.
Angesichts der neuen Sitzverteilung wolle die Mehrheitsgruppe bei anstehenden Entscheidungen stets versuchen, innerhalb der Koalition Konsens zu erzielen. Die letzte Legislaturperiode habe gezeigt, dass das funktioniere, sagt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Norbert Vanin. Gemeinsam sei es gelungen, wichtige Projekte anzustoßen, Investitionen auf den Weg zu bringen und die Gemeinde trotz schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln, erklären SPD und CDU.
Unterschiedliche politische Auffassungen blieben in der Gruppe bestehen, bekräftigen die Beteiligten ausdrücklich. „Doch es geht um Uetze“, betont CDU-Parteichef und Fraktionsvize Till Wehking. Eine parteipolitische Sichtweise würde der Sache nicht gerecht. Bei den wichtigen Zukunftsfragen stehe die positive Entwicklung der Gemeinde im Vordergrund.