„Habe die Herausforderung angenommen“
Sieben Jahre lang war Armin Pollehn (CDU) Bürgermeister von Burgdorf, am 31. Oktober endet seine Amtszeit.

"Bin zufrieden und dankbar": Armin Pollehn blickt auf sieben Jahre als Bürgermeister von Burgdorf zurück.Foto: Thea Ball
Burgdorf (. tal). Neben dem Schreibtisch stehen Umzugskartons. Die Wände sind bereits frisch gestrichen, die Bilder abgehängt. Armin Pollehn (CDU) sitzt in seinem Büro in der Landratsvilla in Burgdorf, in seinem „Headquarter“, wie er es nennt. Sieben Jahre lang ist er hier ein- und ausgegangen. Nun wird er das nur noch wenige Male tun. Denn am 31. Oktober endet seine Zeit als Bürgermeister von Burgdorf, an seine Stelle tritt Andrea Buhndorf (SPD). Was es bedeute, Bürgermeister zu sein – das könne man gar nicht vorhersehen, sagt Pollehn. „Ich bin nur jemand, der gerne Herausforderungen annimmt. Und die habe ich hier auch angenommen.“

Bei der zurückliegenden Kommunalwahl war der 66-Jährige bewusst nicht noch einmal angetreten. Für ihn bedeutet das Ende der Amtszeit zugleich den Abschied aus dem Berufsleben. „Ich freue mich darauf, in den Ruhestand gehen zu können und für Familie, Freunde und Hobbys mehr da sein zu können“, so Pollehn. Als Bürgermeister hatte er eine Sieben-Tage-Woche, Abendtermine waren für den Vater einer erwachsenen Tochter eher die Regel als die Ausnahme. Gerade erst war er mit seiner Frau im Urlaub, in Wien. Da habe er angefangen, die Amtszeit Revue passieren zu lassen, sagt Pollehn.

Noch kann er dennoch nicht so richtig greifen, was eigentlich die vergangenen sieben Jahre lang passiert ist. Nach seiner Wahl im Herbst 2019 hatte er, der zuvor als Selbstständiger eine Sprachschule leitete, nicht viel Zeit, um sich in seinem Amt einzufinden. Denn nach wenigen Monaten begann die Corona-Krise.

„Ich hatte gerade mein Amt begonnen, dann hieß es: Es geht nichts mehr“, so Pollehn. „Das war eine Zeit, wo man aus dem Nichts eine Krise bewältigen musste.“ Er erinnert sich daran, wie er anfänglich Sitzungen telefonisch durchführte. Wie Videokonferenzen schnell zum neuen Alltag wurden. Wie er die Ratssitzungen ins Stadthaus verlegte, um Abstände wahren zu können. „Ich habe an einem Tisch gesessen und in einen riesigen Raum geguckt“, so Pollehn.

Der Bürgermeister bildete damals einen Krisenstab, fast täglich sei dieser zusammengekommen, erinnert er sich. Auf die Corona-Pandemie folgte Russlands Krieg gegen die Ukraine, dann die Energiekrise. „Ich habe mich nicht mehr als Bürgermeister, sondern als Krisenmanager gesehen“, so Pollehn.

Auch abseits der globalen Krisen gab es für Pollehn viel zu tun in Burgdorf. Die Feuerwehr in Schillerslage bekam ein neues Gerätehaus. Die Rudolf-Bembeneck-Gesamtschule zog in ihr neues Gebäude ein. Der neue und hochmoderne Bauhof wurde eröffnet. Im Kita-Bereich investierte die Stadt in neue Gebäude, um endlich ausreichend Kita-Plätze anbieten zu können. „Das ist uns jetzt gelungen“, sagt Pollehn nicht ganz ohne Stolz. „Ich habe nicht alles erreicht, ich bin auch nicht fehlerfrei“, sagt Pollehn. „Aber ich bin der Meinung, dass ich viele Entscheidungen gut getroffen habe.“

Innerhalb der Verwaltung veränderte Pollehn, so erzählt er es, Strukturen. Er etablierte, dass Fachbereichsleiter regelmäßig zusammenkommen, arbeitete mit ihnen gemeinsam am Führungsverständnis, führte eine neue Projektmanagementmethode ein.

Und dann ist da noch der Verkehrsversuch Marktstraße. Als das Stichwort fällt, nimmt Pollehn beim Erzählen merklich Fahrt auf. „Das hat uns hier in der Stadt ganz viel Zeit und Aufwand bedeutet“, sagt er und klingt dabei ein wenig verärgert. Eine Einbahnstraßenregelung sollte den Autoverkehr in der Innenstadt reduzieren. Burgdorfs Händler beklagten wegbrechende Einnahmen, Pollehn machte sich dafür stark, den Versuch vorzeitig zu beenden.

„Die Art, wie dieser Versuch vom Rat gewünscht wurde, war nicht erfolgsversprechend“, sagt Pollehn. Er selbst sei von Anfang an dagegen gewesen. Das sei ihm auch zum Vorwurf gemacht worden. „Du hast ja nicht hinter der Markstraße gestanden“, habe es geheißen. Den Vorwurf, dass es an ihm gescheitert sei, weist er von sich. „Ich habe meine ganzen Abteilungen wirklich immer wieder gebeten: Seht zu, dass ihr das hinbekommt“, sagt Pollehn dazu.

Abseits der Marktstraße gab es auch andere Themen, die die Innenstadt betreffen. Der Platz am Brandende wird erneuert, die Pläne dazu sind beschlossene Sache. Als er über das Rathaus I zu sprechen beginnt, huscht Pollehn ein Lächeln übers Gesicht. Gerade wird es noch saniert, künftig soll es als Bürgerhaus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Das habe ich erreicht“, sagt Pollehn und gerät ins Schwelgen, als er sich vorstellt, wie Burgdorfer dort künftig zusammenkommen können. Bei einem Espresso, so „wie man es aus den südlichen Städten kennt.“

Der Kontakt zu Bürgern – das ist etwas, das Pollehn in seiner Zeit als Bürgermeister wichtig war. Zunächst, so erinnert er sich, habe er einfach gesagt, dass seine Tür jederzeit für Bürger offenstehe. „Das wollten die Bürger irgendwie nicht“, so Pollehn mit einem leicht ironischen Unterton. Also führte er eine Bürgersprechstunde ein. „Das hat mir sehr viel Freude gemacht“, sagt der 66‑Jährige. „Das war der Ausgleich zu den vielen Herausforderungen.“

Ausgleich schafften auch seine Hobbys, denen er nun wieder mehr Zeit schenken möchte. Gerade lese er ein 1200 Seiten langes Werk zum Versailler Vertrag, erzählt Pollehn. Parallel, so mache er es immer, lese er auch ein Buch auf Englisch. Außerdem ist der Bürgermeister leidenschaftlicher Tennisspieler. Seine Tenniskameraden seien alle bereits im Ruhestand, sagt Pollehn. „Ich freue mich darauf, auch vormittags spielen zu können.“

Als Bürgermeister war er auf vielen Veranstaltungen unterwegs, hatte dadurch Kontakt zu Vereinen und Verbänden. In einigen, etwa dem VVV, dem historischen Löschzug, dem Museumsverein und dem Kulturverein, ist er selbst Mitglied. Dort will er sich als Ehrenamtlicher weiter engagieren. „Es wird nicht mangeln an Terminen“, sagt Pollehn.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Revue-passieren-lassen. „Ich möchte auch Zeit für mich zur Neuorientierung haben“, sagt Pollehn. „Ich möchte reflektieren.“ Er sei jemand, der immer viele unterschiedliche Dinge gemacht habe, der schon als Jugendlicher das erste Ehrenamt übernommen habe. Berufliche Entscheidungen habe er immer aus einer Freiheit heraus treffen können. „Es war nie mein erklärtes Ziel, Bürgermeister zu werden“, sagt Pollehn und fügt schließlich hinzu: „Ich bin zufrieden und dankbar, dass ich das Privileg bekommen habe, diese Stadt sieben Jahre lang zu begleiten.“

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