„Anderen Kommunen geht es deutlich schlechter als uns“
Burgwedels Finanzen sind im Sinkflug: Bürgermeisterin Ortrud Wendt stellt den Haushaltsentwurf 2027 vor und klagt über fehlende Unterstützung vom Land

So soll die neue Schule aussehen: Visualisierung des neuen Gymnasiums Großburgwedel aus südlicher Richtung. Links der zu bauende Veranstaltungssaal, ganz rechts der 2021 errichtete SEK-I-Trakt.Visualisierung: 4-e-motions
Burgwedel (. wal). Die Finanzen einer Kommune sind Grundlage für alle Investitionen und Dienstleistungen, die den Bürgern zugute kommen. Ohne Geld lassen sich keine Straßen reparieren, keine Schwimmbäder betreiben, keine Vereine unterstützen.

Burgwedel gilt seit jeher als einnahmenstarke Kommune, die deshalb finanziell gut dasteht. Das bestätigte jüngst auch das Landesamt für Statistik. In Zeiten, in denen die Verschuldung vieler Kommunen erneut deutlich angestiegen ist, galten zum Stichtag Ende 2025 nur elf Kommunen und Kommunenverbände in Niedersachsen als vollständig schuldenfrei – darunter Burgwedel als einzige Kommune in der Region Hannover. Doch auch für Burgwedel werden die Zeiten herausfordernder. Das belegt der Haushaltsentwurf für 2027, den Bürgermeisterin Ortrud Wendt (CDU) jetzt vorgelegt hat. Wir stellen den Istzustand der städtischen Finanzen und die erwartete Entwicklung im Überblick vor.

Das Ergebnis, das sich für 2026 abzeichnet, sieht deutlich besser aus als erwartet. Gerechnet hatte die Stadt ursprünglich mit einem Defizit von rund 12 Millionen Euro. Nun läuft es auf etwa minus 3 Millionen Euro hinaus, und möglicherweise verbessern Gewerbesteuernachzahlungen das Ergebnis noch weiter. „Wir hoffen, das Jahr mit einem halbwegs blauen Auge abzuschließen“, so Bürgermeisterin Wendt.

Allem voran die Vertragsunterschrift für den Bau des neuen Gymnasiums samt Veranstaltungssaal und Multifunktionsgebäude, das später die IGS nutzen wird. 48 Millionen Euro lässt sich die Stadt das alles kosten. Das Bahnhofsgebäude wird mittlerweile zum Stadtarchiv umgebaut, an der IGS hat die Schulhofsanierung begonnen. In Fuhrberg ist der Bau der Abwasserleitung nach Großburgwedel gestartet, das Feuerwehrhaus wurde erweitert, die Stadt baut dort auch eine neue Schulsporthalle. Die Stadt lässt die Neubaugebiete in Wettmar und Fuhrberg erschließen und das Fachwerkhaus neben dem Rathaus zum Verwaltungsgebäude umbauen.

Wendt sprach von einem Haushaltsentwurf, der „mehr Schwarzbrot als fluffiges Baguette“ sei. Als sogenanntes ordentliches Ergebnis – dies betrachtet die gewöhnliche Geschäfts- und Verwaltungstätigkeit – erwartet die Stadt ein Defizit von 15,1 Millionen Euro. Nur durch Sondereffekte, vor allem durch den Grundstücksverkauf in den Neubaugebieten, kann sie das Gesamtdefizit voraussichtlich auf 6,8 Millionen Euro drücken. Wichtige Botschaft für alle Bürger: Leistungskürzungen für Vereine, Verbände, städtische Einrichtungen und die Ortsräte soll es nicht geben.

Die Stadt plant für 2027 mit Gesamterträgen in Höhe von 82,2 Millionen Euro. 60,8 Millionen Euro, also knapp drei Viertel davon, erwartet sie aus Steuern und ähnlichen Abgaben. Traditionell nimmt der Rossmann-Standort Burgwedel für eine Stadt dieser Größe enorm viel Gewerbesteuer ein. So lag etwa der Ansatz für 2025 bei 33 Millionen Euro.

Sogenannte Transferaufwendungen machen mit 38,2 Millionen Euro knapp die Hälfte der Gesamtaufwendungen von 88,9 Millionen Euro aus. Dazu zählt etwa die Regionsumlage – eine Pflichtabgabe, mit der die 21 Regionskommunen die Region Hannover finanzieren. Je höher die eigene Steuerkraft, desto mehr Geld muss eine Kommune zahlen – und Burgwedel trifft es wegen der hohen Gewerbesteuereinnahmen 2025 dieses Mal besonders stark. Weitere große Ausgabeposten sind Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen (19,9 Millionen Euro) sowie die Personalaufwendungen (23,7 Millionen Euro). Als Ergebnis für die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst im Frühjahr 2027 hat die Stadt ein Plus von 4 Prozent im Haushalt eingepreist.

Angesichts des drohenden Defizits wäre das ein logischer Schritt. Doch Burgwedel geht den entgegengesetzten Weg und senkt die Hebesätze für die Grundsteuer A und B um 25 Punkte auf jeweils 425 Prozent. Grundstücksbesitzer werden also entlastet. Das hatte der Rat der Stadt einstimmig so beschlossen, um dem Versprechen der aufkommensneutralen Grundsteuerreform nachzukommen. Anders als erwartet hatte die Stadt durch die Reform rund 5 Prozent mehr Geld eingenommen.

Da listete Wendt mehrere Punkte auf. Geopolitische Risiken, etwa durch die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, erforderten höhere Ausgaben für den Zivil- und Katastrophenschutz. Der Investitionsbedarf für Infrastruktur und Daseinsvorsorge sei weiter hoch, jetzt allerdings in Zeiten steigender Zinsen. „Das macht es deutlich unangenehmer für uns.“ Die Stadt habe zunehmend Probleme, Fachkräfte zu gewinnen, etwa für die Bauverwaltung. Und das Land finanziere viele Aufgabenbereiche, über die es entschieden habe, nur unzureichend mit.

Die Bürgermeisterin nannte dabei eine mangelnde Finanzierungshilfe beim Kita-Personal und bei Investitionen in Kitas sowie die ebenfalls unzureichende Kostenübernahme im Ganztagsbereich und bei der IT-Administration an den Schulen. „Im Regen stehen“ lasse das Land die Städte und Gemeinden auch bei der Flüchtlingsunterbringung und bei der Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung. Die kommunale Ebene sei insgesamt strukturell unterfinanziert, so Wendt. „Ungefähr ein Viertel der staatlichen Aufgaben erledigen die Kommunen, aber sie erhalten nur ein Siebtel der Einnahmen.“

In den vergangenen fünf Jahren habe die Stadt insgesamt 60,1 Millionen Euro an Investitionen getätigt, berichtete die Bürgermeisterin. Rechne man Einnahmen zum Beispiel durch Grundstücksverkäufe und Fördermittel heraus, bleibe eine Summe von 35,5 Millionen Euro, die der Haushalt zur Verfügung gestellt habe – „ohne neue Schulden“. Gleichzeitig sei die Liquidität um 6,9 Millionen auf 22,1 Millionen Euro gestiegen. Burgwedel komme von einem hohen Niveau und befinde sich nun finanziell im Sinkflug. Aber: „Anderen Kommunen geht es deutlich schlechter als uns.“





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