Die Idee für das Projekt entstand in Zusammenarbeit zwischen dem BUND und dem städtischen Amt für Umwelt und Stadtgrün. Von der ersten Planung bis zur Umsetzung vergingen lediglich zwei Wochen. Am 15. Oktober trafen sich die Beteiligten auf der Grünfläche am Ackerrain, um die beiden Igelburgen gemeinsam zu errichten. Mit dabei waren Claudia Gundert-Fröhlich, Sprecherin des BUND Burgwedel-Wedemark, und Michael Krelle, ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter der Region Hannover für Burgwedel. Unterstützung erhielten sie von drei Mitarbeitern des städtischen Bauhofs sowie drei Helferinnen und Helfern der Pestalozzi-Stiftung.
Bei sonnigem Herbstwetter machten sich die Beteiligten an die Arbeit. Als Grundlage für die Igelburgen dienten Holzpaletten, die so zusammengesetzt wurden, dass darunter geschützte Hohlräume entstanden. Diese wurden mit Heu ausgelegt, um den Tieren einen geeigneten Platz zum Rückzug zu bieten. Die Wahl des Materials erfolgte bewusst: Anders als bei langhalmigem Stroh soll durch die Verwendung von kürzerem Heu das Risiko verringert werden, dass sich die Igel mit ihren Gliedmaßen darin verfangen und verletzen.
Anschließend wurden die Konstruktionen mit Zweigen und Laub abgedeckt. Diese natürliche Schicht soll vor Kälte schützen und die Unterschlüpfe möglichst gut in die Umgebung einfügen. Die Holzpaletten sorgen zugleich für Stabilität und verhindern, dass das Gewicht des aufgeschichteten Materials unmittelbar auf den Hohlräumen lastet.
Hintergrund der Aktion ist die zunehmende Bedeutung geeigneter Rückzugsorte für heimische Wildtiere. Igel sind vor allem in Gärten, Parks und Grünanlagen unterwegs. Dort finden sie Nahrung und suchen nach geschützten Plätzen, an denen sie sich tagsüber verstecken, ihren Nachwuchs aufziehen oder die kalten Wintermonate verbringen können. Doch gerade in gepflegten Wohngebieten fehlen solche natürlichen Verstecke häufig. Wo Laub regelmäßig entfernt, Sträucher stark zurückgeschnitten und Grünflächen möglichst ordentlich gehalten werden, verschwinden auch wichtige Lebensräume.
Dabei benötigen Igel insbesondere im Herbst geeignete Quartiere, in denen sie ihren Winterschlaf verbringen können. Dichte Hecken, Reisighaufen und liegen gebliebenes Laub bieten ihnen Schutz vor Witterungseinflüssen und Störungen. Mit den beiden Igelburgen am Ackerrain wollen die Stadt Burgwedel und der BUND zeigen, dass sich auch mit vergleichsweise einfachen Mitteln zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten schaffen lassen. Allerdings bitten die Projektbeteiligten ausdrücklich darum, die fertiggestellten Igelburgen nicht zu verändern. Insbesondere soll kein weiteres Laub oder Grünschnittgut darauf abgelegt werden. Die Konstruktionen sind bereits vollständig aufgebaut und sollen in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben. Zusätzliche Aufschüttungen könnten die vorgesehenen Zugänge versperren oder die Stabilität der Unterschlüpfe beeinträchtigen.
Auch auf das Auslegen von Futter verzichten die Beteiligten bewusst. Die Igel sollen die neuen Quartiere selbstständig entdecken und bei Bedarf nutzen. Eine gezielte Anlockung ist nicht vorgesehen. Zugleich soll verhindert werden, dass Futterstellen andere Tiere, insbesondere Ratten, anziehen. Wer selbst zum Schutz der stacheligen Gartenbewohner beitragen möchte, kann auch auf dem eigenen Grundstück geeignete Rückzugsorte schaffen. Schon ein ruhiger Winkel mit Laub, Reisig oder dichtem Bewuchs kann Igeln helfen. Entscheidend ist, dass solche Bereiche möglichst ungestört bleiben und die Tiere ausreichend Schutz finden.
Damit auch Spaziergänger und Anwohner erfahren, was es mit den ungewöhnlichen Konstruktionen auf sich hat, soll in Kürze ein Hinweisschild auf der Grünfläche am Ackerrain aufgestellt werden. Es wird über das Pilotprojekt informieren und erläutern, welche Funktion die Igelburgen erfüllen.
Ob die neuen Winterquartiere tatsächlich von Igeln genutzt werden, bleibt zunächst abzuwarten. Die kommenden Monate sollen zeigen, ob sich die gewählte Bauweise und der Standort bewähren. Fällt die Bilanz positiv aus, ist eine Fortsetzung des Projekts im kommenden Jahr vorgesehen. Dann könnten an weiteren geeigneten Stellen im Stadtgebiet zusätzliche Igelburgen entstehen.
Für eine mögliche Ausweitung wollen sich die Beteiligten mehr Zeit für die Vorbereitung nehmen. Geplant ist außerdem, Schulen einzubeziehen. Kinder und Jugendliche könnten so unmittelbar erleben, wie praktischer Artenschutz funktioniert und mit welchen Maßnahmen sich die Lebensbedingungen heimischer Wildtiere verbessern lassen.
Mit den ersten beiden Igelburgen am Ackerrain haben die Stadt Burgwedel, der BUND und die Pestalozzi-Stiftung dafür einen Anfang gemacht. Ob die neuen Unterschlüpfe schon in diesem Winter ihre ersten stacheligen Bewohner bekommen, wird sich zeigen.