„Sind an der Spitze des Olymps angekommen“
Eine Familie aus Engensen betreibt seit acht Jahren einen Weinberg in Ramlingen

Sie sind die Macher im Weinberg: Matthias, Anne und Markus Färber.Foto: Katerina Jarolim-Vormeier
Engensen (. jar). Mosel? Rhein? Oder ein anderes Weinanbaugebiet in Süddeutschland? Keinesfalls. Wein reift auch in der niedersächsischen Tiefebene – und das besonders gut in Bioqualität. Die Familie Färber aus Burgwedel-Engensen hat seit 2018 einen Weinberg im Burgdorfer Ortsteil Ramlingen und kann sich Jahr für Jahr über einen guten Tropfen freuen. Drei Rebsorten haben die Färbers angebaut. Die Trauben sind nun reif, die Weinlese hat am vergangenen Samstag begonnen. Bereits der Jahrgang 2025 hatte großen Anklang gefunden – und wird Ende Oktober sogar prämiert. Und das in Wien!

Mitten im Weinberg am Samstagvormittag: Matthias Färber hat zur Vorbereitung auf die Lese den Zuckergehalt der Trauben gemessen. Dieser beträgt, so berichtet der staatlich geprüfte Winzer und Pionier des Weinbaus in der Region Hannover, 80 Grad Oechsle. „Dieser Grad ist charakteristisch für leichte Weine, die aktuell in sind“, sagt der 63-jährige Agrarwissenschaftler zufrieden. Die Trauben sind also reif, die Weinlese kann starten.

Rund 30 Helferinnen und Helfer, allesamt Freunde und Bekannte, sind bei der Lese auf dem 6000 Quadratmeter großen Areal unweit des Akazienwegs dabei – und ernten die weißen Trauben allesamt per Hand mit einer Schere. Die abgeschnittenen, hochwertigen Trauben landen in einer Kunststoffkiste und später in einem großen Behälter zum Abtransport. Gekeltert wird der Wein auf dem Gut Fischborn bei Mainz.

„In diesem Jahr beansprucht die Weinlese mehr Zeit“, sagt Gerald Höhl. Er ist schon das fünfte Mal als Helfer dabei. Der Grund: Schrumpelige und vertrocknete Trauben müssen mühselig abgeschnitten werden. „Aber es ist immer wieder ein tolles Event, das Freude bereitet – und das zumeist bei schönem Wetter“, sagt der 65-Jährige.

Eine Rebenreihe weiter schneidet Alessa Gehle aus Kleinburgwedel zum ersten Mal die Weintrauben ab. Es sei Handarbeit pur. „Umso mehr schätze ich den Wein, den ich dann trinke“, sagt die 23-Jährige. Auch ihr Vater Rolf Gehle und ihr Freund Maurice Baack beteiligen sich an der Weinlese. „Viele Hände, schnelles Ende“, sagt der 68-jährige Rolf Gehle. Die Familie Färber haben die drei bei einer Weinprobe kennengelernt. Danach wollten sie erfahren, wie eine Lese vonstattengeht.

Insgesamt 2000 Rebstöcke wachsen auf dem Weinberg in Ramlingen. Davon sind 400 von der Sorte Cabaret Noir, der Rest sind weiße Reben mit den Namen Johanniter und Helios. Warum gerade diese Sorten? „Weil es sogenannte PiWi-Sorten sind“, erklärt Matthias Färber. Der Name stehe für Pilzwiderstandsfähigkeit. Es seien die Rebsorten, die mit Blick auf die großen Pilzkrankheiten im Weinbau, den Echten und den Falschen Mehltau, deutlich robuster seien als klassische Sorten. „Genau deshalb stehen sie in unserem Weinberg.“

Zusammen mit seiner Frau Anna und seinem Bruder Markus betreibt Matthias Färber den Weinberg in Ramlingen. Das sei mehr als ein Hobby, gesteht er. Die Arbeit hier sei wie Meditieren. Bei schönem Wetter gebe es Vesper und Wein auf dem Gelände. „Es ist viel Arbeit, aber auch Leidenschaft, sonst wäre es Quälerei“, sagt die 59-jährige Anna Färber, die einen Winzerlehrgang im Rheingau absolviert hat.

Und die Passion für den Weinanbau der vergangenen acht Jahre hat sich für die Färbers ausgezahlt. Ihre Weine des Jahrgangs 2025 in Bioqualität sind bei der International Wine Challenge in Wien ausgezeichnet worden. Der gilt als weltweit größter Weinwettbewerb. Eine Goldmedaille gab es für den Weißwein-Cuvée sowie eine sogenannte Trophy bei den Zukunftsweinen, den PiWi-Sorten. Die Preise werden am 25. Oktober in der österreichischen Hauptstadt an die Färbers übergeben. Zudem hat das Magazin „Falstaff“ die Färber-Weine Rosé und Weiß-Cuvée mit 92 Punkten hoch bewertet. Noch ein guter Grund, sich zu freuen und stolz zu sein. „Wir sind an der Spitze des Olymps angekommen“, so Matthias Färber.



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