Zweite Chance für Lebensmittel
In Burgdorf können seit einem Jahr nicht mehr benötigte Lebensmittel im Fairteiler gespendet werden

Seit einem Jahr ein Erfolg: Diakonin Wanda Gödeke zeigt den Fairteiler, in dem Burgdorfer Lebensmittel ablegen und entnehmen dürfen.Foto: Christoph Mente
Burgdorf (. ccm). „Teilen statt wegwerfen“: Das ist das Ziel des Burgdorfer Fairteilers. Seit einem Jahr steht dafür die etwas unscheinbare Holzhütte auf dem Spittaplatz an der St.-Pankratius-Kirche. Bedienen darf sich daran ausdrücklich jeder. Auch das Spenden von noch haltbaren Lebensmitteln, die selbst nicht mehr gebraucht werden, ist erwünscht.

Seit Oktober 2025 gibt es das Angebot zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung. Ursprünglich war das Projekt vier Wochen lang getestet worden. Die solidarische und nachhaltige Idee wurde von Anfang an mit großer Beteiligung angenommen, heißt es von den Organisatoren. Und so blieb der Fairteiler als dauerhaftes Angebot.

Im Fairteiler gibt es einen Kühlschrank mit Glastür. So kann jeder direkt sehen, was sich darin befindet. Reichlich Obst, Gemüse und eine ganze Palette Frischkäse sind es an diesem Nachmittag. Das Angebot ist vielfältig und täglich anders. In einem kleinen Regal finden zudem ungekühlte Lebensmittel Platz – wie selbst gekochte Marmelade oder Konserven.

Das Prinzip ist einfach. „Wer etwas braucht, der nimmt es sich“, sagt Wanda Gödeke, Diakonin der evangelischen Nachbarschaft Burgdorf bis Ehlershausen. Am Fairteiler herrsche ein reges Treiben – es dauere meist nicht lange, bis die Lebensmittel abgeholt würden. Genauso gut füllt sich der Schrank auch wieder.

„Der Fairteiler ist außerdem mit der Organisation Foodsharing und dem Verein Lebensmittelrettung verbunden“, sagt der Ehrenamtliche Norbert Mau. Foodsharing holt nicht mehr verkaufsfähige, aber dennoch genießbare Lebensmittel aus Supermärkten ab und stellt sie im Fairteiler zur Verfügung. Auch manche Bäckereien würden sich inzwischen beteiligen und nicht verkaufte Backwaren dort ablegen.

Wer Lebensmittel spenden möchte, muss ein paar Dinge beachten. Die meisten Lebensmittel willkommen. Dazu zählen Obst und Gemüse, abgepackte Backwaren und allgemein alles, was ungeöffnet und fest verschlossen ist. Bei Kühlware ist es wichtig, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Erlaubt ist auch selbst Eingekochtes – dann muss aber ein Etikett mit Zutatenliste und Herstellungsdatum aufgeklebt sein, erläutern die Organisatoren. Allgemein ist darauf zu achten, dass Lebensmittel wie Obst und Gemüse keine schimmligen oder glitschigen Stellen aufweisen. Gödeke nennt eine einfache Regel: „Man kann das bringen, was man auch selbst noch essen würde.“ Auch Ernteüberschuss aus dem eigenen Garten darf gespendet werden.

Waren mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) dürfen abgelegt werden, allerdings keine Produkte mit abgelaufenem Verbrauchsdatum (VD). Das betrifft hauptsächlich Fisch- und Fleischprodukte. Hackfleisch und roher Fisch dürfen generell nicht in den Fairteiler. Gleiches gilt auch für Rohmilchprodukte und Speisen, die mit rohen Eiern zubereitet wurden. Auch selbst gesammelte Pilze sind nicht gestattet. Verboten sind zudem Alkohol- und Nikotinprodukte sowie illegale Substanzen und Lebensmittel, die in der EU nicht zugelassen sind. Der Fairteiler ist nur für Lebensmittel gedacht und nicht für andere Gegenstände wie Bücher, Spielzeug und Co.

Zu dem Angebot habe es bisher viele positive Rückmeldungen gegeben, erzählt eine weitere Ehrenamtliche. Sogar aus Hannover sei eine Frau angereist, die von dem Projekt gehört hatte. „Der Fairteiler ist eine Win-Win-Situation: Der Platz wird belebt, und weniger Lebensmittel werden verschwendet“, findet die Helferin.

Ohne Ehrenamtliche würde das ganze Projekt nicht funktionieren. Täglich wird eine Stichprobenkontrolle der abgelegten Waren durchgeführt, die Kühlschranktemperatur gemessen und Verschmutzungen im Zweifelsfall entfernt. Für diese Aufgabe werden jederzeit Freiwillige gesucht, die einmal wöchentlich einen Dienst übernehmen würden. „Das dauert etwa eine Viertelstunde“, sagt Gödeke. Interessierte können sich bei Wanda Gödeke unter Telefon (0151) 12724411 melden.
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